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Daten, Modell, System, Mensch — die vier Angriffsflächen jedes LLM

Veröffentlicht am 2026-06-19 · ~8 Min. Lesezeit

In meinen bisherigen Lernstationen habe ich einzelne Angriffe seziert: Prompt Injection, Trainingsdaten-Herkunft, das Absichern einer KI-Architektur. Dieser Raum hat etwas anderes geliefert — eine Landkarte. Er ordnet die gesamte LLM-Bedrohungslage in vier Familien, je nachdem, was der Angreifer eigentlich ins Visier nimmt: die Daten, das Modell, das umgebende System oder den Menschen davor. Diese vier Ebenen sind das beste Ordnungsraster, das mir bisher begegnet ist.

Kein Spoiler: Dieser Beitrag erklärt die Konzepte in eigenen Worten und verrät keine Aufgaben-Lösungen oder Flags.
TryHackMe-Abschlussbildschirm: Raum „LLM Security“ abgeschlossen — 6 Aufgaben, 72 Punkte, 3-Tage-Streak.
Station der Lernreise: der Raum „LLM Security", abgeschlossen.

Warum eine Landkarte mehr wert ist als eine Angriffsliste

Wer LLM-Sicherheit als losen Stapel einzelner Tricks lernt, verliert schnell den Überblick — und übersieht im Audit ganze Bereiche. Eine Taxonomie nach Angriffsziel erzwingt Vollständigkeit: Bei jedem System gehe ich alle vier Ebenen durch und frage, ob sie geschützt sind. Genau das macht aus „ich kenne ein paar Angriffe" eine methodische Bewertung.

1. Datenbasierte Angriffe — das Modell als Gedächtnis

Ein LLM lernt aus riesigen Datenmengen und merkt sich dabei mehr, als uns lieb ist. Drei Angriffe zielen auf dieses Gedächtnis:

Das knüpft direkt an meinen Beitrag „Woher stammt dein KI-Modell" an: Wenn niemand die Trainingsdaten kennt, weiß auch niemand, was sich extrahieren lässt.

2. Modellbasierte Angriffe — das Modell als Beute

Hier ist nicht der Inhalt das Ziel, sondern das Modell selbst — sein geistiges Eigentum:

Diese Ebene ist besonders relevant für Unternehmen, die eigene Modelle als Produkt anbieten: Die API selbst wird zur Angriffsfläche auf das Firmenkapital.

3. Systembasierte Angriffe — die fehlende Grenze

Das ist die Ebene, die LLMs von klassischer Software unterscheidet. Ihr Kern: Ein LLM verarbeitet alle Eingaben als einen einzigen, zusammenhängenden Kontext — System-Anweisung, abgerufene Daten und Nutzereingabe verschmelzen im Context Window zu einem Token-Strom ohne eingebaute Sicherheitsgrenze. Vertrauenswürdiges und nicht Vertrauenswürdiges liegen ununterscheidbar nebeneinander. Daraus folgen drei Angriffe:

Warum diese fehlende Grenze überhaupt existiert, habe ich in „Die KI liest nicht deine Wörter" aufgedröselt; wie man das System darum herum absichert, in „Ein KI-System absichern heißt die Architektur absichern".

4. Nutzerbasierte Angriffe — der Mensch als Ziel

Die vierte Ebene wird gern übersehen, weil hier nicht das System angegriffen wird, sondern der Mensch davor — mit dem LLM als Verstärker:

Wie sich diese Ebenen in einem echten Vorfall verzahnen, habe ich im Fall West Tech durchgespielt — dort traf eine ausgeplauderte KI auf einen halluzinierten Befund.

Der „Secure LLM Mindset"

Die rote Linie durch alle vier Ebenen: Klassische Sicherheitsannahmen versagen. Bei normaler Software trennen wir vertrauenswürdigen Code von nicht vertrauenswürdiger Eingabe. Ein LLM kennt diese Trennung nicht — natürliche Sprache, probabilistische Verarbeitung und emergentes Verhalten erzeugen Angriffsflächen, die Firewall und WAF nicht sehen. Sicher mit LLMs zu arbeiten heißt deshalb, jede der vier Ebenen bewusst zu prüfen, statt auf gewohnte Schutzmechanismen zu vertrauen.

Mein Fazit

Was ich aus diesem Raum mitnehme, ist weniger ein neuer Angriff als ein Denkrahmen. Wenn ich künftig ein KI-System bewerte, gehe ich die vier Familien der Reihe nach durch — Daten, Modell, System, Mensch — und keine Ebene bleibt aus Versehen unbeleuchtet. Genau diese Vollständigkeit unterscheidet eine fundierte Risikoanalyse von einer Sammlung netter Tricks. Und sie ist die Grundlage dafür, wie ich KI-Sicherheit in meinen Audits angehe.

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